GROSSER RAT AARGAU

                                                      

Nachdem der Regierungsrat nicht bereit war, meinen Vorstoss betreffend Massnahmen gegen Killerspiele entgegenzunehmen, habe ich mich im Grossen Rat für die Aufrechterhaltung des Postulates eingesetzt:

Sehr geehrter Herr Präsident, sehr geehrter Herr Regierungsrat,
geschätzte Kolleginnen und Kollegen

Die Antwort des Regierungsrates auf mein Postulat hat mich masslos enttäuscht! Und dass diese vermeintlich wissenschaftlich abgesegnete Verharmlosung und das Delegieren an Fachgremien den Steuerzahler auch noch Fr. 2225.- gekostet haben soll, hat mich ziemlich geärgert. Die Antwort ist billig, die Beantwortung ist es nicht. Aber offenbar kann man nichts anderes erwarten, wenn sogar prominente Jungpolitiker sich als leidenschaftliche Gamer outen und Parteien gründen, die die schöne neue virtuelle Welt vollkommen öffnen und jeglicher Kontrolle entziehen wollen. Die gesellschaftliche Realität lässt heute schon erahnen, wohin das alles führt:
Immer wieder wird die Öffentlichkeit durch unvorstellbare Gewalttaten, häufig begangen durch junge Menschen, erschüttert. Die Gewaltbereitschaft hat in unserer Gesellschaft offenbar zugenommen, auch scheint die Grenze der Gewaltausübung nicht mehr vorhanden zu sein. Ist die Gewaltspirale einmal in Gang gesetzt, schiesst oder schlägt der Täter blindwütig um sich und ist nicht mehr zu stoppen.

Liebe Ratskolleginnen und Ratskollegen,
möglicherweise ist Ihnen aufgefallen, dass in den meisten furchtbaren Kriminalfällen der letzten Jahre die Täter ihre Freizeit unter anderem mit so genannten „Ego-shootern“ verbracht haben. Aktuell zeigt dies auch die Verhandlung um die Familientötung im Muotatal. Scheinbar nur ein Detail, aber im Kampf gegen Jugendgewalt und für eine menschenfreundliche freie Gesellschaft ein wesentlicher Punkt!
Auch bei den furchtbaren Amokläufen in amerikanischen und europäischen Schulen gehörte zum Profil der Täter, dass sie exzessiv solche Gewalt verherrlichenden Computerspiele spielten. Nun gebe ich dem Regierungsrat insofern Recht, als dass diese Killerspiele nur ein Aspekt darstellen. Ebenso spielen Umfeld, Persönlichkeit, Psyche und äussere Auslöser eine Rolle. Gar nicht einverstanden bin ich aber damit, dass diese Ego-shooter-Games als eines von zahlreichen Mosaiksteinchen angesehen werden, die dann in Kombination zu Gewaltexzessen führen. Es geht hier überhaupt nicht um die Frage, ob Killerspiele gewaltbereit machen oder ob gewaltbereite Jugendliche vermehrt zu Killerspielen neigen, nein, die Problematik liegt ganz anders.
Denn man muss sich ganz klar vor Augen führen, woher diese Spiele stammen und welche Wirkung sie erzielen. Die ersten Killergames wurden von der US Army entwickelt, um ihren Soldaten die Hemmung davor zu nehmen, auf ein anderes menschliches Wesen zu zielen und gleichzeitig eine blitzschnelle Reaktion anzutrainieren. Mit Hilfe dieser Computersimulationen wird der Vorgang des Zielens und des Abdrückens automatisiert und dabei der Verstand ausgeschaltet. Ist dieser Automatismus einmal in Gang gesetzt, kann er kaum mehr gestoppt werden.
Und nun stellen Sie sich die Wirkung solcher Spiele auf die Psyche von bereits zu Gewalt neigenden oder sonst wie labilen Jugendlichen vor! Durch stundenlanges Beschäftigen mit diesen Killergames werden diese gefährdeten Personen regelrecht zu Scharfschützen und Killern ausgebildet. Und das ist das Fatale daran!
Dazu kommt, dass diese Computerspiele jegliche Empathie unterbinden. Das Gegenüber wird nicht mehr als Mensch wahrgenommen, sondern nur noch als Feind, der vernichtet werden muss. Killergames sind nicht Auslöser von Gewaltexzessen, aber sie führen dazu, dass die Gewaltausübung automatisiert und triebgesteuert passiert, und dies mit einer Treffsicherheit, die sich nach hunderten von Übungsstunden zwangsläufig einstellt! Die Auswirkungen davon erlangen traurige Berühmtheit auf den Frontseiten unserer Zeitungen und in Sondersendungen im Fernsehen.
Zur Rechtfertigung der Gamer wird gerne gesagt, dass durch solche Spiele Aggressionen abgebaut werden können. Das Gegenteil ist der Fall: um Aggressionen abzubauen, braucht es körperliche Verausgabung, vor dem Computer fehlt diese aber. Vielmehr wird die Aggression noch aufgebaut und im Gehirn verankert.
Daher finde ich es fahrlässig, diesen Aspekt der Gewalt verherrlichenden Computerspiele einfach mit anderen Faktoren in einen Topf zu werfen. Es ist für mich absolut notwendig, dem Themenbereich eine stärkere Bedeutung beizumessen, und sei es durch „alleinige Fokussierung auf Gewalt verherrlichende Computerspiele“. Mein Postulat hat kein Verbot dieser Spiele verlangt, dies muss richtigerweise auf Bundesebene gelöst werden. Vielmehr wollte ich mit der offenen Formulieren dem Regierungsrat die Chance und den Handlungsspielraum geben, Massnahmen vorzuschlagen, die in seine Präventionsstrategie  passen und die in verschiedenen Bereichen, sei es in der Suchtprävention, sei es im Strafvollzug oder sei es in den Schulen, wirksam werden können. Dieses Postulat aber einfach abzulehnen, würde heissen, dass der Regierungsrat keinen Handlungsbedarf in dieser Sache sieht. Wäre er nur der Meinung, dass er bereits genug in dieser Beziehung getan habe, dann hätte er das Postulat übernehmen und gleichzeitig abschreiben können.
Ich bin davon überzeugt, dass hier ein grösserer Aufklärungs- und Informationsbedarf besteht als bisher wahrgenommen worden ist. Liebe Kolleginnen und Kollegen, führen Sie sich einmal ein solches Spiel zu Gemüte, sehen Sie sich einmal die grafischen Darstellungen an. Da darf sich auch oder gerade für eine freiheitliche Gesellschaft nicht mehr die Frage stellen, ob das tolerierbar ist oder nicht. Nein, das geht einfach nicht! Und ein Hohn ist es, wenn in Medienrezensionen der neuen Spiele die realistische Darstellung gelobt wird, das ist einfach jenseits von gut und böse. Wir dürfen unsere Kinder und Jugendliche nicht damit alleine lassen, wir müssen den Eltern zeigen, womit sich ihre Sprösslinge beschäftigen, und dafür braucht es ganz gezielte Massnahmen mit „alleiniger Fokussierung“ auf Ego-Shooter-Spiele, allgemeine Gewaltprävention wird dem fatalen Potenzial dieses Phänomens zu wenig gerecht. Bitte überweisen Sie daher mein Postulat und geben Sie unserer Regierung  die Chance, in diesem Bereich noch nachzubessern, danke.

Text meines Postulates

Das Parlament hat mich unterstützt und mit 90 zu 32 Stimmen für die Überweisung gestimmt.

Ein Leserbrief in der AZ vom 23. März 2009 verharmlost die Gefahren durch Killerspiele. Darauf habe ich folgende Antwort gegeben: Mehr...